Tether Sportwetten und Steuern in der Schweiz: ein klarer Überblick

Letztes Jahr sass ich mit einem Bekannten beim Abendessen, als er beiläufig erwähnte, er habe «ein paar tausend Franken» mit USDT-Sportwetten gewonnen – und das Thema Steuern sei ihm egal, weil Krypto ja «anonym» sei. Ich musste fast meinen Wein verschütten. Die Schweizer Steuerbehörden interessieren sich sehr wohl für Kryptowährungen, und wer seine USDT-Bestände ignoriert, riskiert unangenehme Post. Gleichzeitig ist die Schweizer Regelung deutlich pragmatischer als in vielen Nachbarländern – wenn man die Grundregeln kennt, bleibt der Aufwand überschaubar.
Mit rund 310 Millionen Franken Brutto-Spielertrag im Schweizer Online-Segment 2024 – ein Plus von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – wächst der Markt stetig. Und mit ihm die Aufmerksamkeit der Steuerverwaltungen. Dieser Artikel erklärt, was du als USDT-Sportwetter in der Schweiz konkret beachten musst, ohne dich durch Juristendeutsch quälen zu müssen.
Krypto in der Vermögenssteuer: USDT korrekt deklarieren
Als ich meine erste Steuererklärung mit Krypto-Positionen ausfüllte, dachte ich, das wäre kompliziert. War es nicht – zumindest nicht bei einem Stablecoin. USDT funktioniert in der Vermögenssteuer wie jedes andere Wertpapier: Am 31. Dezember zählt, was du hältst.
Die Schweiz erhebt eine jährliche Vermögenssteuer auf das gesamte Nettovermögen – dazu gehören Bankkonten, Immobilien, Aktien und seit Jahren auch Kryptowährungen. Tether ist da keine Ausnahme. Du deklarierst den Gesamtbestand deiner USDT-Bestände per Stichtag 31. Dezember zum aktuellen Kurswert in Schweizer Franken. Da USDT an den US-Dollar gekoppelt ist, brauchst du eigentlich nur den USD/CHF-Kurs an diesem Tag – den findest du auf der Website der Eidgenössischen Steuerverwaltung oder bei jeder Bank.
Wo liegen die USDT? Ob auf einer Börse, in einem Hardware-Wallet oder beim Buchmacher als Guthaben – steuerlich ist das irrelevant. Alles zusammenzählen, umrechnen, fertig. Die meisten Kantone haben inzwischen ein eigenes Feld für Kryptowährungen im Wertschriftenverzeichnis. Falls nicht, trägst du es unter «Übrige Vermögenswerte» ein.
Ein Detail, das viele übersehen: Auch USDT, die du beim Wettanbieter als offenes Guthaben parkst, gehören zu deinem Vermögen. Du musst sie nicht auszahlen, bevor du sie deklarierst – aber du musst sie deklarieren. Das gilt selbst dann, wenn du bei einem Offshore-Buchmacher spielst, der keine Steuerbescheinigungen ausstellt.
Die Vermögenssteuersätze variieren je nach Kanton und Gesamtvermögen, bewegen sich aber typischerweise zwischen 0,1 und 0,5 Prozent. Bei einem USDT-Bestand von 5000 Franken reden wir also von 5 bis 25 Franken Steuerlast – kein Betrag, für den es sich lohnt, Ärger zu riskieren.
Wettgewinne und Einkommenssteuer: wann wird es steuerpflichtig?
Hier kommt die gute Nachricht, die viele Schweizer Sportwetter nicht kennen: Gewinne aus Glücksspielen sind in der Schweiz grundsätzlich steuerfrei – bis zu einer Million Franken pro Gewinn bei inländischen Anbietern. Ja, du hast richtig gelesen. Das Bundesgesetz über die Geldspiele sieht eine Freigrenze vor, unter der einzelne Spielgewinne nicht als Einkommen gelten.
Aber – und das ist ein wichtiges Aber – diese steuerfreie Behandlung gilt explizit für Gewinne bei konzessionierten Schweizer Veranstaltern. Wer bei einem Offshore-Buchmacher mit USDT wettet, bewegt sich in einer Grauzone. Die meisten Kantone behandeln Offshore-Gewinne strenger: Sie gelten als Einkommen und unterliegen der regulären Einkommenssteuer. Einige Kantone wenden auch hier die Freigrenze an, andere nicht. Das hängt vom Wohnkanton ab, und genau hier lohnt es sich, einmal beim Steueramt nachzufragen.
Rund 54 Prozent der Schweizer Bevölkerung nehmen an irgendeiner Form von Glücksspiel teil, etwa ein Viertel davon an Sportwetten. Die wenigsten machen sich dabei Gedanken über steuerliche Konsequenzen – solange die Beträge klein bleiben, fällt das auch kaum ins Gewicht. Wer aber regelmässig mit grösseren USDT-Beträgen wettet und Gewinne erzielt, sollte diese in der Steuererklärung zumindest unter «Weitere Einkünfte» aufführen, wenn der Wettanbieter nicht in der Schweiz lizenziert ist.
Eine Frage, die immer wieder auftaucht: Was ist mit dem Umtausch von USDT in Franken? Wenn du deine Tether-Gewinne in CHF konvertierst, könnte theoretisch ein Kursgewinn auf dem USD/CHF-Wechselkurs entstehen. In der Praxis ist dieser bei einem Stablecoin minimal – aber wer grosse Summen bewegt und zwischen Gewinn und Auszahlung Wochen vergehen lässt, sollte den CHF-Kurs bei Eingang und Ausgang notieren. Nicht weil das Steueramt danach fragt, sondern weil du es im Zweifelsfall belegen kannst.
Belege und Dokumentation: was du aufbewahren solltest
Ich führe seit Jahren ein simples Spreadsheet für meine Krypto-Transaktionen. Nicht weil ich ein Ordnungsfanatiker bin, sondern weil ich einmal erlebt habe, wie ein Kollege wochenlang Transaktionshistorien zusammensuchen musste, nachdem das Steueramt Fragen stellte. Das will niemand.
Was du dokumentieren solltest, lässt sich in drei Kategorien zusammenfassen. Erstens: Käufe und Verkäufe von USDT. Datum, Betrag, Kurs, Plattform. Zweitens: Einzahlungen und Auszahlungen bei Wettanbietern – Screenshot der Transaktionshistorie reicht. Drittens: der Bestand am 31. Dezember – ein Screenshot deines Wallets oder Kontos mit Datum und Saldo.
Die Blockchain selbst ist natürlich ein perfektes Protokoll. Jede USDT-Transaktion ist öffentlich einsehbar – auf Tron, Ethereum oder welchem Netzwerk auch immer. Aber ein Steuerbeamter wird nicht auf einem Block-Explorer nach deinen Transaktionen suchen. Er erwartet eine nachvollziehbare Aufstellung in deiner Steuererklärung. Und genau die lieferst du mit drei Dokumenten pro Jahr: Wallet-Auszug per 31.12., Transaktionshistorie der wichtigsten Börse, und eine Zusammenfassung deiner Wett-Ein- und Auszahlungen.
Aufbewahrungsfrist in der Schweiz: zehn Jahre. Klingt lang, ist aber mit einer digitalen Datei kein Aufwand. Speichere die Belege als PDF, benenne sie sinnvoll – «2026_USDT_Stichtag_31Dez.pdf» – und lege sie zum Rest deiner Steuerunterlagen. Fünf Minuten Arbeit, die dir im Ernstfall Wochen sparen.
Wer es noch sauberer will, nutzt ein einfaches Tool wie CoinTracking oder ein Google-Spreadsheet mit vier Spalten: Datum, Typ (Kauf/Verkauf/Einzahlung/Auszahlung/Gewinn), Betrag in USDT und Gegenwert in CHF. Das klingt nach Aufwand, dauert aber pro Transaktion keine dreissig Sekunden – und am Jahresende hast du alles beisammen.
Ein letzter Punkt, den ich aus eigener Erfahrung kenne: Manche Wettanbieter löschen Transaktionshistorien nach einem bestimmten Zeitraum. Lade deine Kontobewegungen regelmässig herunter – mindestens einmal pro Quartal. Wenn der Anbieter seine Plattform plötzlich schliesst, hast du wenigstens noch deine eigenen Aufzeichnungen.
Steuerliche Stolpersteine, die USDT-Wetter kennen sollten
Es gibt ein paar Szenarien, die in keiner Standard-Steuerberatung auftauchen, weil sie spezifisch für Krypto-Sportwetter sind. Eines davon: Du wettest mit USDT, gewinnst, und lässt den Gewinn monatelang beim Buchmacher liegen. Ist das Vermögen? Ja – auch wenn es beim Anbieter liegt, gehört es dir. Viele vergessen das, weil sie Krypto-Guthaben auf Wettplattformen mental nicht als «echtes Vermögen» einordnen.
Ein anderes Szenario betrifft den sogenannten «professionellen Spieler». Die Schweizer Steuerverwaltung unterscheidet zwischen gelegentlichem Spielen und einer Tätigkeit, die als berufsmässig eingestuft wird. Kriterien dafür sind unter anderem systematisches Vorgehen, regelmässige hohe Einsätze und ein nennenswerter Anteil am Gesamteinkommen. Wer in diese Kategorie fällt, muss Gewinne als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit versteuern – inklusive AHV-Beiträgen. Das ist selten, aber nicht unmöglich.
Und dann gibt es die Frage der kantonalen Unterschiede. Die Schweiz hat 26 Kantone mit 26 Steuergesetzen. Was im Kanton Zug gilt, muss im Kanton Genf nicht gelten. Besonders bei Offshore-Wettgewinnen variiert die Praxis stark. Mein Rat: Ein einmaliger Anruf beim kantonalen Steueramt kostet nichts und klärt mehr als zehn Blogbeiträge.
Zählt USDT als Vermögenswert in der Schweizer Steuererklärung?
Ja. USDT wird wie jede andere Kryptowährung als Vermögenswert behandelt und muss per 31. Dezember zum aktuellen Kurswert in CHF im Wertschriftenverzeichnis deklariert werden. Das gilt unabhängig davon, ob die Tokens in einem Wallet, auf einer Börse oder bei einem Wettanbieter liegen.
Welchen Kurs verwende ich für die USDT-Deklaration am Stichtag?
Da USDT an den US-Dollar gekoppelt ist, verwendest du den offiziellen USD/CHF-Wechselkurs per 31. Dezember. Die Eidgenössische Steuerverwaltung publiziert jährlich Kurslisten für gängige Kryptowährungen, die als Referenz dienen.